Herren (Saalebulls 1b)

13. Dezember 2012 Uhr

Das erste Derby und sechs Jahre Warten auf den ersten Sieg

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Sechs Jahre bis zu einem Sieg? Ist das nicht ein bisschen lang? Verliert man da nicht die Lust am Spiel? Schon möglich, doch ich nicht! Mein Name ist Robin, ich bin 17 Jahre und spiele im Moment für die zweite Mannschaft des MEC Halle 04. Mit 11 Jahren ein später Start in den Eishockey-Sport Mit […]

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Sechs Jahre bis zu einem Sieg? Ist das nicht ein bisschen lang? Verliert man da nicht die Lust am Spiel? Schon möglich, doch ich nicht! Mein Name ist Robin, ich bin 17 Jahre und spiele im Moment für die zweite Mannschaft des MEC Halle 04.

Mit 11 Jahren ein später Start in den Eishockey-Sport

Mit elf Jahren war ich ein wenig auf Drängen meiner Eltern gezwungen mir eine sportliche Aktivität zu suchen. Da die Standard-Sportart Fussball für mich sowieso nicht in Frage kam, weil ich das Ball-hin-und-her-schießen schon immer uninteressant fand und erst recht nicht beherrschte, suchte ich nach etwas anderem. Durch meinen Vater, der mich in der damaligen Saison 2006/7 hin und wieder zum Eishockey mitgenommen hatte, erfuhr ich vom Probetraining. Also, warum nicht? Aller Anfang ist schwer, und da ich noch nicht mal Schlittschuhlaufen konnte noch schwerer. Es war schon sehr unschön zu sehen, wie jedes mal die Kleinen schnell an einem vorbeizischten, während man selbst noch jeden Schritt einzeln überwachen musste.

Langsam dann wurden tatsächlich schwierigere Laufmanöver durchgeführt: Kurven und ähnliche spannende Dinge! Mit der Zeit konnte man sogar einen Schläger in die Hand nehmen und nach weiteren Monaten sogar einen Puck an den Schläger bekommen. Ständig belächelt, wegen meiner Größe und meines Alters im Vergleich zu meinem Können kam ich jede Woche zum Training, um doch etwas weiter zu kommen. Während die anderen in der Kabine von ihren Spielen am Wochenende erzählten, konnte ich nur zuhören, denn in meinem Alter und mit den Fähigkeiten, wenn überhaupt vorhanden, gab es keine Mannschaft. Jahr für Jahr konnte ich eine weitere Trainingsgruppe höher steigen, und so hatte ich mir mit der Zeit ein wenig Respekt verdient, durch mein dauerhaftes Durchhaltevermögen jede Woche immer wieder zu kommen, auch längere Zeit ohne Spaß dabei zu haben, bis ich zu den Schülern kam. Dort hatte ich für die nächsten Jahre mein "Zuhause" gefunden.

Mein ersten Spiele

Hier bekam ich zum ersten Mal wirkliche Kontakte zu Spielzügen, Taktik und Laufwegen, aber auch wirklich nur die einfachsten. Das Schlittschuhlaufen verbesserte sich merklich, doch der Umgang mit Schläger und Puck blieb immer ein Hindernis. Puckführung, Passen, Schießen. Alles Dinge was bei mir so überhaupt nicht klappte und oft auch das Trainieren an sich störte, doch egal; einfach weiter machen ist das Motto!
In der Saison 2009/10 spielten die Knaben aus Halle mit den Schülern des Berliner Vereins OSC in einer Spielgemeinschaft. Bei dieser Mannschaft stand ich tatsächlich auf der Spielerliste, und trotz, dass ich bei den ersten Spiele gar nicht dabei war, war das ein überwältigendes Gefühl.
Irgendwann in der Mitte der Saison fuhr ich tatsächlich mit zum Spiel nach Berlin. Die ganzen bekannten "Kleinen" gut drauf; und ich mit dabei. Ich hatte eine Miene, wie bei einer Schularbeit, wie sollte ich auch anders drauf sein, ich kannte sie ja nur vom Training und auch die Aufregung vor dem Spiel wurde von Minute zu Minute größer. Die Ankunft in Berlin war Horror für mich, denn ich hatte ja gut vier Jahre auf dieses Spiel hingearbeitet. Obwohl ich sehr schlecht gespielt hatte und nur gefühlte drei Mal auf dem Eis gewesen bin, war das mein erstes Eishockeyspiel und es sollte der Anfang des riesen Spaß an der Sportart für mich sein. Da hier ja unsere jüngeren Spieler in einer höheren Altersklasse mitspielten, kann man sich vorstellen, wie schlecht die Berliner waren, nicht ganz so schlecht, wie ich, aber schon ziemlich schlecht. Wie erwartet fuhr ich immer wieder von Niederlagen nach Hause. Die Spielgemeinschaft konnte tatsächlich sogar ein einziges Spiel gewinnen, gegen Leipzig, aber wie toll, ich war nicht dabei gewesen. Ohne einen Sieg oder Scorerpunkt beendete ich die Saison trotzdem überglücklich, denn ich konnte mich vorsichtig und ganz leise einen Eishockeyspieler nennen.
Diese ersten Erfahrungen trugen mich mit in die nächste Saison.

Teil eines Teams werden...

Um den Kader des OSC wieder zu füllen und die wenigen Schüler von Halle unterzubringen wurden drei Spieler, darunter auch ich, in die Berliner Mannschaft eingegliedert. Da alle Heimspiele in Berlin stattfanden, war in dieser Saison fast jedes Wochenende mit einer Fahrt mit dem Auto in die Hauptstadt verbunden. Unsere Mannschaft bestand aus den drei Hallensern, einigen Schülern, die ich noch von letzter Saison kannte und wieder Knaben, diesmal aus Berliner Reihen. Wieder mal jüngere, die mehr drauf haben als du, na toll! Aber egal. Jede Fahrt nach Berlin oder in eine andere Stadt war lustig, denn zusammen mit den anderen Hallensern verstand ich mich sehr gut und es konnte ein Mannschaftsgefühl mit drei Spielern aufgebaut werden. Zudem wurde man auch in Berlin immer wieder nett begrüßt und aufgenommen. Man hatte das Gefühl ein wenig gebraucht zu werden. So etwas hatte ich beim Eishockeyspielen noch nie erfahren. Leider waren wir nicht merklich besser, als die Saison davor und so mussten wir immer wieder mit Niederlagen, wie z.B. 12:0, 9:2, 24:0 nach Hause fahren. Trotzdem gut drauf und nie den Mut verloren ging es weiter und man wurde durch die Erfahrung im Spiel tatsächlich besser! In dieser Saison lernte ich sogar, wie man den Puck beim Schießen/Passen hochbekam, etwas was selbstverständlich klingt, doch für mich einen großen Fortschritt darstellte! Hier gab ich die ersten Vorlagen und schoss sogar zwei Tore. Mit dieser für mich recht erfolgreichen Bilanz beendete ich die Saison 2010/11.

Willkommen in der 1b der Saale Bulls

Danach war wieder Schluss für das Spielen für mich, denn ich wuchs aus dem Alter des Schülers heraus und so war für mich eigentlich keine richtige Alternative zu finden, denn auch die Schule brachte mich langsam an die Grenzen meiner Belastung. Es folgte wieder ein Jahr ausschließlich mit Training und so ging dann diese Saison ereignislos und unspannend zu Ende.
Kurz vor Ende der Sommerpause stand für mich eigentlich immer noch der selbe Plan, wie letztes Jahr auf dem Plan: Training. Doch es sollte plötzlich spannend werden.

Robin Karthäuser bei seinem ersten Sieg im Trikot der Saale Bulls 1b Robin Karthäuser bei seinem ersten Sieg im Trikot der Saale Bulls 1b

"Mach doch mal beim 1b Training mit" heißt es da und ich denke mir: Warum nicht! Hier war eine komplett andere Welt für mich. Unbekannte Härte, Schnelligkeit, Spielzüge, harte Pässe, Schüsse. Das alles waren Dinge, die ich nur vom Zusehen kannte und nun stand ich mittendrin. Was tun? Mitstolpern! Die ersten Übungen waren für mich beinahe das Hinterherlaufen eines längst abgefahrenen Busses, doch wenn ich nun einmal da bin, mache ich auch weiter. Vollkommen ohne nützliche Erfahrung beginne ich sehr langsam zu begreifen, wie man Eishockey spielt. Ich merke, dass ich noch Unmengen lernen muss und hier habe ich das Gefühl richtig spürbar zu lernen. Ich bekomme Grundlagen gelernt, die eigentlich vorhanden sein sollten und nun sich auch langsam festigen. Für mich vollkommen überraschend soll ich auch noch beim ersten Spiel dabei sein! Und nicht nur das, ich soll sogar mitspielen! Unfassbar, hatte ich doch eigentlich niemals mit einem Einsatz bei Erwachsenen gerechnet! Kurze, schnelle Einsätze war mein Auftrag. Genau das tat ich, mit ein wenig Nervosität, aber ich wollte alles geben. Mit dem Gefühl völlig ausgepowert zu sein ging es hinterher wieder in die Kabine, zwar mit einer Niederlage, doch zusammen mit einer Mannschaft.
Nach einigen Wochen Training ging es nach Erfurt. Für mich zwar eine bekannte Spielstätte, aber dennoch alles recht unbekannt, denn ich weiß immer noch nicht so wirklich, wann und was überhaupt wie passiert. Warm machen. Einspielen. Wer mit wem. Wohin... Irgendwie klappte es schon und dieses Spiel lief deutlich besser, als das erste. Immer wieder gingen wir in Führung, auch wenn Erfurt immer wieder den Ausgleich schoss. In Führung liegen war etwas, dass mir bis dato fast komplett unbekannt war, denn bis jetzt waren alle meine Spiele komplett vom Zurückliegen und Verteidigen gefüllt. Und tatsächlich gewannen wir das Spiel 4:3! Fast exakt sechs Jahre, nachdem ich begonnen hatte Schlittschuhlaufen zu lernen, gewann ich mein erstes Spiel. Es hat lange gedauert, doch allein um einmal dieses Gefühl zu haben, auf der Seite der Sieger zu stehen, hat es sinnvoll gemacht.
Und da bin ich nun. Versuche alles zu lernen, mache vieles falsch, doch immer mehr richtig. Und wenn ich auf die sechs Jahre zurück schaue und mir denke, wie bescheuert ich eigentlich gewesen bin, dass ich das alles auf mich genommen habe, dann muss ich trotzdem sagen, ich bereue nichts. Denn erst jetzt kann es richtig los gehen und das verdanke ich allen, die je dabei waren: Familie, Eltern, Trainer, Mitspieler, Freunde.
Aber jetzt muss ich los, trainieren, denn am Wochenende wartet das erste richtige Derby meiner Karriere auf mich! Schaut doch vorbei...

Robin im Spiel gegen FASS II Robin im Spiel gegen FASS II

Euer

Robin Karthäuser

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